Vereinsgeschichte der Orgelfreunde Sankt Martin

Die geistigen Wurzeln des Vereins gehen zurück bis ins Jahr 1986. Damals beauftragte der damalige Mesner Karl Striebel auf Anregung von Pfarrvikar P. Dominikus Kirchmair OP den Diözesanmusikdirektor Prof. Dr. Gert Völkl mit einem Gutachten über die Batzenhofener Orgel.
Der Experte bezeichnete das Instrument in seinem Gutachten hinsichtlich Konzeption, Konstruktion, Materialauswahl, handwerklicher Verarbeitung und Klang als völlig unzulänglich. Er wies auf viele Funktionsstörungen hin und schloß mit den Worten "Wegen der genannten grundsätzlichen Mängel sollten Sie in das Instrument nichts mehr investieren, sondern die Anschaffung einer neuen, dem Raume angemessenen Orgel ins Auge fassen".
Trotzdem tut die Orgel mit einigen Überholungen und Reparaturen bis heute ihren Dienst, wenn auch nicht immer ganz nach dem Wunsch des Organisten. Hätte man damals bereits einen Förderverein gegründet, wäre heute wohl eine solide finanzielle Basis vorhanden, mit der man eine Erneuerung in Angriff nehmen könnte.
Weihnachten 2005 machte die Orgel erneut Probleme, was, insbesondere bei winterlicher Kälte, sporadisch immer wieder auftritt. Kein Wunder, war doch 2002 der amtliche Orgelsachverständige P. Stefan U. Kling OPräm zur gleichen Auffassung gekommen, wie sein Kollege 16 Jahre vorher: Auch er riet in seinem Gutachten von einer Generalüberholung ab und sprach sich für eine Neubeschaffung aus.
Die weihnachtlichen Orgelaussetzer 2005 waren Anlaß, daß bei der seit mehreren Jahren in der Frankenstraße stattfindenden Glühweinparty erstmals von der Familie Köhler Spenden für die Orgel gesammelt wurden. Weitere Aktionen waren der Verkauf von Videos über die Heilig-Land-Reise der Pfarrgemeinde im Frühjahr 2006, der Verkauf von Pflanzen aus dort gesammelten Samen und eine weitere Glühweinparty. So konnte ein finanzieller Grundstock von ca. 400 Euro gelegt werden und es entstand der Gedanke, die Gründung eines offiziellen Fördervereins vorzubereiten.
Am Kirchweihfest 2006 wurde, angeregt durch weitere Orgelprobleme, der erste Satzungsentwurf geschrieben, dem bereits zwei Wochen später vom Finanzamt Augsburg-Land bescheinigt wurde, daß er den steuerlichen Bestimmungen der Abgabenordnung entsprechen würde.
Nun war es Zeit, mit der langgehegten Idee an die Öffentlichkeit zu gehen. Der Entwurf wurde mit dem Pfarrer besprochen, dann dem Pfarrgemeinderat und der Kirchenverwaltung vorgestellt. Es erfolgten noch einige kleine Änderungen im Satzungsentwurf. Schließlich erfolgte die Zustimmung von Herrn Pfarrer Walser und allen Mitgliedern der beiden Gremien zur Vereinsgründung.
Am Freitag den 25. Juli 2008 folgten 16 Personen der öffentlichen Einladung von Franz X. Köhler in den Pfarrsaal St. Martin Batzenhofen zur Gründungsversammlung, von denen 14 Gründungsmitglieder des Fördervereins "Orgelfreunde St. Martin" wurden. Der Satzungsentwurf wurde ohne Gegenstimmen angenommen, der Mitgliedsbeitrag für Standardmitglieder auf 20 Euro und für Fördermitglieder auf 60 Euro pro Jahr festgesetzt. Nach dem Beitritt der Gründungsmitglieder wurde die Satzung unterschrieben und die Vorstandschaft gewählt. Vorsitzende wurden Franz X. Köhler und Dr. Sabine Lutz, daneben gehörten der auf fünf Jahre gewählten Vorstandschaft Dr. Renate Demharter, Ulrike Köhler, Maja May, Konrad Rößle und Stefan Schöffel an.
Das erste öffentliche Auftreten des neuen Vereins erfolgte mit einem Infostand auf dem Gartenfest des Musikverein Batzenhofen am Sonntag 03. August. Hier konnten weitere 11 Mitglieder gewonnen werden. Eine erneute öffentliche Mitgliederwerbung fand am Festtag der Aufnahme Mariens in den Himmel im Anschluß an den Gottesdienst statt. Am 16. August 2008 trat das 50. Mitglied dem Verein bei. Am 08.09. trat der Verein der GdO e.V. bei. Die Mitgliederzahl war auf über 60 angewachsen. Die GdO, die Gesellschaft der Orgelfreunde, ist ein internationaler Dachverband für alle, die mit der Orgel verbunden sind.
Durch den Beitritt wurden die Orgelfreunde von der Stadt Gersthofen offiziell als Verein anerkannt und werden jetzt dort im Vereinsregister geführt. Zum Austausch derartiger Neuigkeiten trifft sich die Vorstandschaft alle 2 Monate zum "Orgelstammtisch". Die Termine stehen auf unserer Homepage. Gäste sind jederzeit herzlich willkommen.
Offensichtlich gab es eine ganze Reihe von Personen, die nur auf die Gründung eines Orgelvereins gewartet hatten, denn ab Ende August begannen zunehmend Spenden einzugehen und dieser Geldregen hält weiter an. Allen unseren Mitgliedern und Gönnern hierfür ganz herzlichen Dank. Am ersten Weihnachtsfeiertag erhielten wir von den Betreibern der Glühbude und das Schmiedestands deren Erlöse als Spende.
Zu Beginn des neuen Jahres wurde eine große Werbeaktion durchgeführt: Aus dem Gersthofener Adreßbuch wurden die Adressen von über 600 Haushalten ermittelt, die zur Pfarrei Batzenhofen gehören und noch nicht Mitglied waren. Sie alle haben ein persönliches Anschreiben erhalten, in dem wir über unseren Verein informierten und um Beitritt und Spenden warben. Der Mitgliederstand zur ersten Jahreshauptversammlung in der Vereinsgeschichte am 13.03.2009 war 89, davon 61 aus Batzenhofen, 8 aus Edenbergen, 14 aus Rettenbergen. Berücksichtigt man die Einwohnerzahlen, so ergibt sich, daß in Batzenhofen 6,2 %, in Edenbergen 2,7 % und in Rettenbergen 3,1 % der Einwohner Mitglieder in unserem Verein sind. Es dürfte also noch Potential für weitere Mitglieder vorhanden sein. Wir bauen auf Sie! Bei der Jahreshauptversammlung wurde vom Kath. Frauenbund eine sehr großzügige Spende überreicht, die sich aus Einnahmen des Stundenkindergartens und des Adventsbazars 2008 zusammensetzte.
Um den Mitgliedern und Gönnern des Vereins einen Maßstab über die Fortschritte des Vorhabens zu geben, wurde im Juli 2009 im Vorzeichen der Pfarrkirche St. Martin ein "Orgel-Spendenbarometer" montiert: Wenn die Anzeige das obere Ende erreicht hat, stehen die Chancen gut, mit der Erneuerung des Instruments beginnen zu können.
Anfang Oktober wurde die "Schallmauer" durchbrochen: Herr Pfarrer Hutt trat dem Verein als 100. Mitglied bei. Als Willkommensgeschenk erhielt er die erste Flasche "Cäcilienwein", den der Verein in limitierter Auflage mit Sonderetikett abfüllen ließ und zugunsten der Orgelsanierung anbietet.
Bei der Jahreshauptversammlung (JHV) am 22. Januar 2010 war der Mitgliederstand bei 105, davon 67 aus Batzenhofen, 13 aus Edenbergen, 19 aus Rettenbergen und 6 aus anderen Orten. Der Verein zeigte zunehmend Präsenz in der Öffentlichkeit beteiligte sich aktiv am Dorfleben.
Die Mitgliederzahl war bei der JHV 2011 auf 108 angestiegen, obwohl der Verein im Berichtsjahr den Tod von drei Mitgliedern und einen Vereinsaustritt zu verkraften hatte.
Durch die unermüdliche Mitgliederwerbung von Schriftführerin Ulrike Köhler konnte der Vorsitzende zur JHV 2012 die stolze Zahl von 112 Mitgliedern einladen, von denen allerdings nur ein Bruchteil an der Versammlung teilnahm. Im abgelaufenen Vereinsjahr 2011 hatten drei finanziell sehr erfolgreiche Benefizkonzerte stattgefunden, auch hatte die Kirchenverwaltung beschlossen, das Projekt der Orgelerneuerung terminlich nicht ganz hinten anzustellen, sondern nach der Sanierung von Kirchturm und Dachstuhl noch vor der geplanten Renovierung des Innenraums ins Auge zu fassen. Es erfolgten daher bereits erste Kontakte zu in Frage kommenden Orgelbauern und zum Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und weitere Aktivitäten.
Im September 2012 wurden bei einem vor-Ort-Termin mit Herrn Hauptkonservator Dr. Nikolaus Könner vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und Herrn Pater Stefan U. Kling OPraem., dem amtlichen Orgelsachverständigen des Bischöflichen Ordinariats Augsburg, die Belange des Denkmalschutzes besprochen. Eine Neukonzeption wurde von den Experten nicht völlig ausgeschlossen, zunächst war jedoch zu prüfen, ob sich nicht doch mit einer Instandsetzungsmaßnahme der noch weitgehend originale Zustand der Orgel erhalten läß und trotzdem ein nachhaltig gutes technisches und klangliches Ergebnis sowie Wartungs- und Stimmfreundlichkeit sichergestellt werden können.
Eine nachfolgende Untersuchung durch Herrn Orgelbaumeister G. Weishaupt zeigte, daß dies nicht der Fall ist. Details hierzu siehe Stellungnahme von Herrn G. Weishaupt. Daher wurde Ende 2012 ein "Antrag auf Erlaubnis nach Art. 6 Denkmalschutzgesetz" an die untere Denkmalschutzbehörde vorbereitet, um für die geplante Neukonzeption die Erlaubnis zu bekommen. Wie jedes Jahr gab es darüber hinaus zahlreiche weitere Aktivitäten.
Bei der Jahreshauptversammlung am 18. Januar 2013 wurde die Vorstandschaft neu gewählt. Neue 2. Vorsitzende wurde Dr. Renate Demharter; die bisherige 2. Vorsitzende konnte aus Zeitgründen ihr Amt nicht mehr länger ausüben. Als neue 2. Beisitzerin wurde Johanna Seitz gewählt. Alle anderen Mitglieder der Vorstandschaft wurden in ihren Ämtern bestätigt.
Ende Februar wurde von der unteren Denkmalschutzbehörde die "Erlaubnis zur Erneuerung der Orgeltechnik in der Kath. Pfarrkirche St. Martin" erteilt, wobei der historische Orgelprospekt zu erhalten ist. Im Anschluß wurde mit Herrn Pater Stefan Kling und den Organisten Petra Eckl und Sebastian Ehinger ein Dispositionsentwurf für den Orgelneubau ausgearbeitet und eine Ausschreibung vorbereitet, welche im Mai der Kirchenverwaltung zur Verfügung gestellt wurde.
Aufgrund immer neuer Terminverzögerungen bei der Sanierung des Kirchturms einerseits und zunehmendem Spendenrückgang andererseits wurde beschlossen, mit dem Versand der Ausschreibungsunterlagen an bereits ausgewählte Orgelbauer noch zu warten, bis die terminlichen und finanziellen Voraussetzungen für den Neubau gegeben sind. Neben diesen Vorbereitungen für den Orgelneubau beteiligte sich der Verein wieder aktiv am Dorfleben und war auch wieder bei verschiedenen Veranstaltungen der Stadt Gersthofen präsent.
Das Jahr 2014 brachte nur wenig Fortschritte: Die Sanierung des Kirchturms zog sich weiter in die Länge; aufgrund der unklaren Termin-und Kostensituation wurde das Orgelprojekt nur auf Sparflamme weiterbetrieben. Gegen Jahresende stieg die Spendenbereitschaft wieder an. So beendete das Jahr 2014 zwar den Abwärtstrend bei den Spendeneinnahmen und war besser als 2013, gegen die "Superjahre" 2009 bis 2011 sieht es trotzdem eher bescheiden aus. Im November wurde erstmals unser "Orgelschnäpsle" angeboten. Die weiteren Aktivitäten decken sich weitgehend mit denen der Vorjahre. Erfreulich ist, daß sich der Mitgliederstand nach einigen Todesfällen wieder auf 112 erhöthe.
Nach dem Abschluß der Turmsanierung wurden wir im Mai 2015 von der Kirchenverwaltung gebeten, die bereits seit Mitte 2013 vorbereitete Ausschreibung an die vier ausgewählten Orgelbauer herauszugeben. Alle vier haben ihr Interesse am Neubau unserer Orgel bekundet. Der erste der vier war im Juni vor Ort, um sich ein Bild von unserer Orgel zu machen, der zweite im August, die beiden anderen dann im September. Das letzte der vier Angebote haben wir Mitte November erhalten. Insgesamt war es für den Verein ein Jahr voller Aktivitäten und wir hofften sehr, daß dieser Projektfortschritt zu einer weiteren Steigerung bei den Spenden führen würde, insbesondere auch bei solchen Gemeindemitgliedern, die bisher noch nichts zur Orgelerneuerung beigetragen haben.
Doch schon bei der Jahreshauptversammlung im Januar 2016 wurde klar, daß sich das Projekt weiter verzögern würde: Als erste Maßnahme des Bauabschnittes II der laufenden Kirchenrenovierung steht die Sanierung des Dachgebälks der Kirche an. Dazu ist es nötig, im Innern der Kirche ein Gerüst aufzustellen, damit die Sicherheit gegeben ist. Wenn nun das Gerüst im Innern der Kirche steht, macht es Sinn, gleichzeitig die Raumschale zu renovieren. Dabei ist mit erheblichem Staubaufkommen zu rechnen. Deshalb rieten uns alle Sachverständigen, die neue Orgel erst nach Beendigung der Renovierungsmaßnahmen in die Kirche einzubauen. Selbst ein fachmännisches Einpacken der neuen Orgel kann ein Einstauben nach uns vorliegenden Erfahrungen nicht sicher verhindern. Der weitere Zeitplan sah Folgendes vor: Klärung der Gesamtfinanzierung zur Bauabschnitt II nicht vor Sommer 2017. Die Termin- und Kostensituation war damit weiter unklar und das Orgelprojekt wurde erneut nur auf Sparflamme weiterbetrieben. Daher gab es 2016 weniger zwar weniger Vereinsaktivitäten, doch zum Ausgleich eine Musikalische Autorenlesung "Landleben - Kornblumen & Cannabis" mit H. R. Mayer.
Dieser Zustand änderte sich zur Jahreshauptversammlung 2017: Nachdem die laufende Kirchensanierung das Projekt in den letzten Jahren eher behindert hatte, wurde sie nun zum Antreiber auf dem Weg zur neuen Orgel. Denn da der geplante Ablauf des 2. Bauabschnitts den Abbau der alten Orgel noch im Lauf des Jahres 2017 erfordert und die Orgelfreunde zusammen mit der Kirchenverwaltung auch schon über einen bedeutenden Teil der Mittel für den Orgelneubau verfügen, wurde beschlossen, zusammen mit der Kirchenverwaltung, den Organisten und dem Orgelsachverständigen Pater Stefan Kling aus den vorliegenden Angeboten das geeignetste auszuwählen. Denn es macht natürlich Sinn, die Orgel von dem Orgelbaumeister abbauen zu lassen, der dann auch den Auftrag zur Erneuerung bekommen wird. Der Auswahlprozeß ist noch in Arbeit. Wir hoffen sehr, daß der durch den Abbau der Orgel dann auch sichtbar werdende Projektfortschritt nun wirklich zu einer weiteren Steigerung bei den Spenden führen wird, insbesondere auch bei solchen Gemeindemitgliedern, die bisher noch nichts zur Orgelerneuerung beigetragen haben. Denn dann könnten wir erreichen, daß das Orgelprojekt im Jahr 2019 zum Abschluß kommen wird und die Besucher von St. Martin von den Klängen aus neuem Innenleben unserer Orgel verwöhnt werden. In der Zwischenzeit werden wir uns mit einer kleinen Leihorgel zufrieden geben müssen.
 

 
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